Autor: Richard Falk

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Richard Falk, USA, ist Professor für internationales Recht an der Princeton University, wo er seit 1961 Mitglied der Fakultät ist. Er wirkte kürzlich als Mitglied des unabhängigen Weltausschusses für die Ozeane und als Teilnehmer am Projekt der Stadt Valencia und der UNESCO über das nächste Jahrtausend. Sein Buch „Law in an emerging global village“ (Recht in einem entstehenden globalen Dorf) wurde Ende 1998 veröffentlicht.
(Weitere Informationen: http://www.un.org,
http://www.globalactionpw.org oder
http://www.wws.princeton.edu/~rfalk/papers/cv.html)

Englisch:

A World for People

Deutsch:

Eine Welt für Menschen

Bunsen Gymnasium Heidelberg:
Maria Oesterheld, Laura Brosi, Ulrich Wüst, Thomas Lambert
Fachliche Unterstützung:

I had always enjoyed most those minutes with my eight-year-old daughter, Rabinda, and her younger brother, Eduardo, just after turning their lights out for the night. It was then that we practiced a kind of magic together as I would either read by flashlight to them a part of some wonderful tale drawn from the past or invent something that was strange and improbable in full daylight, yet somehow quite believable in that darkened space so full of trust and awe. I would never leave the room until both children were asleep, and I took pride in how quickly that happened.

Mit meiner acht Jahre alten Tochter Rabinda und ihrem jüngeren Bruder Eduardo hatte ich die Minuten, gleich nachdem ich das Licht in ihrem Zimmer für die Nacht ausgemacht hatte, immer am meisten genossen. In diesen Minuten übten wir zusammen eine Art Magie aus, während ich ihnen entweder beim Schein einer Taschenlampe den Teil irgendeiner wunderbaren Geschichte aus der Vergangenheit vorlas oder etwas erfand, das bei Tageslicht seltsam und unwahrscheinlich, in diesem abgedunkelten Raum voller Vertrauen und Ehrfurcht jedoch ziemlich glaubhaft war. Ich verließ den Raum nie, bevor beide Kinder schliefen, und ich war stolz darauf, wie schnell das passierte.

1) And then one evening as I was prepared to continue with a long saga of a happy dragon family that I had been inventing day by day, Rabinda raised her head from a pillow and said these words, “Daddy, we love your stories, but tonight we have a serious question, and we will not be able to sleep until you give us an answer.” “Fine,” I replied hiding my disappointment because I had been especially pleased with my next installment on the dragons, “but what is it?” Eduardo put it best. “I am not sure, but it has to do with all the war and violence that we see every evening on TV.” Rabinda added quietly, “What we really wanted to know was whether it would be possible to have a peaceful world where there is no hunger and where rulers do not mistreat their own people.” I sighed rather too deeply, And said as patiently as possible, “I will try, but tomorrow let’s get back to the dragons.” **********1) Und dann, eines Abends, als ich mich anschickte, mit einer langen Sage von einer glücklichen Drachenfamilie fortzufahren, die ich Tag für Tag erfunden hatte, hob Rabinda ihren Kopf vom Kissen und sagte: Papa, wir lieben deine Geschichten, aber heute Abend haben wir eine ernsthafte Frage, und wir werden nicht richtig schlafen können, bevor du uns eine Antwort gibst.“ „Na schön“, antwortete ich und verbarg meine Enttäuschung, da ich mit meiner nächsten Folge über die Drachen besonders zufrieden gewesen war, „aber worum geht es?“ Eduardo drückte es am besten aus: „Ich bin nicht sicher, aber es hat mit all dem Krieg und der Gewalt zu tun, die wir jeden Abend im Fernsehen sehen.“ Rabinda fügte ruhig hinzu: „Was wir wirklich wissen wollten war, ob es wirklich möglich wäre, eine friedliche Welt zu haben, in der es keinen Hunger gibt und wo Herrscher nicht ihr eigenes Volk schlecht behandeln.“ Ich seufzte etwas zu tief und sagte so geduldig wie möglich: „Ich werde es versuchen, aber morgen lasst uns zu den Drachen zurückkehren.“
2) I didn’t do a very good job that evening, and Rabinda and Eduardo fell quickly to sleep, I suspect out of boredom, and they never again raised such a question. Yet I was haunted by their question. It kept me awake for nights afterwards. I kept asking myself whether war was inevitable, whether we were destroying the carrying capacity of the planet, whether the governments around the world really needed to abuse their own citizens and pick fights with their neighbors, and whether the United Nations could be made somehow to live up to the promise of its Charter, particularly those famous opening words, “to save succeeding generations from the scourge of war.” Discussing these concerns with friends at the university, I sensed their discomfort with such unconventional ideas that seemed to them either wildly unrealistic or dangerously radical. Their eyes more than their words gave me a feeling that raising such deep questions was futile and that I did not understand ! the limits of useful inquiry. But my restlessness remained. I retreated somewhat, posing the questions of my children only to myself, but still searching for better answers that would bring me a bit of relief, and which I could share later with Rabinda and Eduardo, and hopefully, this time keep them awake until I finished.2) Ich machte meine Sache an diesem Abend nicht besonders gut, und Rabinda und Eduardo schleifen, vermutlich vor Langeweile, schnell ein, und sie stellten nie wieder so eine Frage. Trotzdem verfolgte mich ihre Frage. Sie hielt mich hinterher nächtelang wach. Ich fragte mich immer wieder, ob Krieg unvermeidbar ist, ob wir die Tragfähigkeit des Planeten zerstören, ob die Regierungen auf der ganzen Welt wirklich ihre eigenen Bürger missbrauchen und Streit mit ihren Nachbarn suchen müssen und ob die UN irgendwie dazu gebracht werden kann, das Versprechen ihrer Charta zu halten, besonders die berühmten einleitenden Worte, „die kommenden Generationen vor der Geißel des Krieges zu schützen.“ Als ich diese Angelegenheit mit Freunden an der Universität diskutierte, spürte ich ihr Unbehagen ob solch unkonventioneller Ideen, die ihnen entweder völlig unrealistisch oder gefährlich radikal erschienen. Mehr als ihre Worte gaben mir ihre Augen das Gefühl, dass es unnütz war, solch tiefgreifende Fragen zu stellen und dass ich die Grenzen sinnvollen Hinterfragens nicht verstand.Aber meine Ruhelosigkeit blieb. Ich zog mich ein bisschen zurück und stellt die Fragen meiner Kinder nur mir selbst, wobei ich aber immer noch nach Antworten suchte, die mir ein bisschen Erleichterung verschaffen würden und die ich später mit Rabinda und Eduardo würde teilen könne und die sie dieses Mal hoffentlich wach halten würden, bis ich zum Ende gekommen wäre.
3) I decided that there were developments in the world that were helpful, that could be used in constructing a vision of a peaceful and just world that would live within its material means and would take steps to reduce to a minimum human suffering. I was inspired, first of all, by the great religious and spiritual figures in human history who had disclosed a way of life that challenged conventional wisdom. Jesus and the Buddha came most strongly to my mind, with their revolutionary ideas about right living, peace, and love, and their unconditional dedication to living the life that they advocated for others. And then I thought of others who followed such a path, of St. Francis, Gandhi, Martin Luther King, Nelson Mandela, the Dalai Lama, Aung San Suu Kyi: A visionary path that had practical effects and the ability to change history. 3) Ich entschied, dass es in der Welt Entwicklungen gab, die hilfreich waren und die dazu verwendet werden konnten, eine Vision von einer friedlichen und gerechten Welt zu entwickeln, die innerhalb ihrer materiellen Möglichkeiten lebt und die etwas unternimmt, um menschliches leid auf ein Minimum zu reduzieren. Als erstes wurde ich von den großen religiösen und spirituellen Personen der Geschichte der Menschheit inspiriert, die eine Lebensweise aufgezeigt hatten, die die herkömmlichen Weisheiten in Frage stellte. Jesus und Buddha kamen mir am eindrucksvollsten in den Sinn, mit ihren revolutionären Vorstellungen über richtiges Leben, Frieden und Liebe, und ihrer bedingungslosen Hingabe, das Leben zu leben, das sie für andere befürworteten. Und dann dachte ich an andere, die so einem Weg folgten, an St. Francis, Gandhi, Martin Luther King, Nelson Mandela, den Dalai Lama, Aung San Suu Kyi: ein visionärer Weg, der praktische Auswirkungen hatte und die Möglichkeit die Geschichte zu ändern.
4) Such inspirational figures enjoyed a devoted following, and bore witness to the central idea that what was desirable and necessary in human experience was also possible. There is nothing about human nature or warfare that makes it hopeless to work toward and believe in a world based on mutual respect and nonviolent security. At the same time, the obstacles are serious. The habits of violence go far back in human history, and seem widespread. These habits express deeply held ideas in society about security. Millions of persons gain profits and fame by selling and using weaponry. Strong networks of such people use their money to influence political leaders, elections, and even TV and newspaper coverage. The struggle then for a better world order is difficult, but far from hopeless.4) Solch inspirierende Personen erfreuten sich begeisterter Anhängerschaft und bezeugten den zentralen Gedanken, dass das, was gemäß menschlicher Erfahrung wünschenswert und notwendig war, auch möglich war. Die menschliche Natur oder Kriegsführung haben nichts inne, was es hoffnungslos macht, auf eine Welt zuzuarbeiten und an eine Welt zu glauben, die auf gegenseitigem Respekt und gewaltlosen Sicherheitsmaßnahmen beruht. Gleichzeitig sind die Hindernisse groß. Die Angewohnheiten, Gewalt anzuwenden, reicht weit zurück in der menschlichen Geschichte und scheint weit verbreitet zu sein. Diese Angewohnheit drückt tief verwurzelte Vorstellungen über Sicherheit in der Gesellschaft aus. Millionen von Leuten erlangen Profit und Ruhm, indem sie Waffen verkaufen und gebrauchen. Ein starkes Netzwerk von solchen Leuten benutzen ihr Geld, um Politiker, Wahlen oder sogar das Fernsehen und die Berichterstattung zu beeinflussen. Daher ist der Kampf um eine bessere Weltordnung schwierig, aber alles andere als hoffnungslos.
5) The struggle is underway, and it begins with this confidence that an alternative world order can become a real political project to be achieved sometime in the next century. The first important step is to depict in a very general way the outline of a just world, a system for “humane global governance”. The word humane emphasizes the ethical side of the commitment to nonviolent, equitable, and sustainable political forms of action. Governance refers to authority relations among peoples that create an effective rule of law that is respectful of human rights. Governance is not necessarily government, and may rely on institutions and self-organizing networks of varying character, ranging from the local and decentralized to the regional and global and highly centralized. The objective is to evolve a non-coercive set of arrangements that achieves humane governance on a global scale.5) Der Kampf hat begonnen und er beginnt mit dem Vertrauen darauf, dass eine andere Weltordnung ein wirkliches politisches Projekt werden kann, das irgendwann im nächsten Jahrhundert erreicht werden soll. Der erste wichtige Schritt besteht darin, auf eine sehr allgemeine Art das Konzept für eine gerechte Welt, ein System für eine „menschliche Weltkontrolle“ zu umreißen. Das Wort menschlich betont die ethische Seite der Verpflichtung zu gewaltlosen, gerechten und haltbaren politischen Aktionsformen. Die Regierung bezieht sich auf Beziehungen zwischen Völkern, die auf Autorität beruhen und die eine effektive Rechtsstaatlichkeit schaffen, die die Menschenrechte respektiert. Das Regieren wird nicht notwendigerweise von der Regierung ausgeübt, sie könnte sich auf Einrichtungen und selbstorganisierter Netzwerker unterschiedlicher Art verlassen, die von lokalen und dezentralisierten bis hin zu regionalen und globalen und stark zentralisierten reichen. Ziel ist es, eine Reihe von Abmachungen zu entwickeln, die keinen Zwang ausüben und die menschliches Regieren in einem globalen Ausmaß erreichen.
6) Such an image can be rooted in existing trends and institutions, provided some big changes in outlook and behavior occur. A first step that seems sensible, even under traditional thinking about security, is to rid the world of all weapons of mass destruction through carefully monitored international treaties. At present, such treaties exist for chemical weapons and biological weapons, but not for nuclear weapons. The nuclear weapons states claim that it is too dangerous to disarm, as the knowledge needed to create such weapons cannot be destroyed. True enough, but such reasoning also applies to chemical and biological weaponry and yet a regime of prohibition has been negotiated. With the cold war over the excuse for keeping nuclear weapons to discourage their use by the other side has disappeared. There is a window of opportunity now with no important conflict among leading states, and with political energy mainly devoted to expanding trade and investment. The failure to sei! ze this opportunity will lead many governments to imitate the most powerful countries and obtain some sort of weapon of mass destruction for themselves. If the world does succeed in abolishing nuclear weapons and all weapons of mass destruction this would be a crucial ethical and practical step in the right direction. It would help spread the word that our shared habitat is indeed a global village, and it would produce a surge of optimism about taking further steps in a demilitarizing direction.6) Solch ein Bild kann in vorhandenen Trends und Einrichtungen verwurzelt sein, vorausgesetzt, dass einige große Veränderungen in Einstellung und Verhalten eintreten. Ein erster Schritt, der vernünftig erscheint, sogar unter herkömmlicher Betrachtung von Sicherheit, ist es, die Welt durch sorgsam kontrollierte internationale Verträge von allen Massenvernichtungswaffen zu befreien. Zur Zeit gibt es solche Verträge für chemische und biologische Waffen, aber nicht für Atomwaffen. Die Atomwaffenstaaten behaupten, dass es zu gefährlich sei, abzurüsten, weil das Wissen, das benötigt wird, um solche Waffen zu bauen, nicht zerstört werden kann. Das ist wohl wahr, aber solche Rechtfertigungen treffen auch auf chemische und biologische Waffen zu und doch ist eine Verfahrensweise für Verbote ausgehandelt worden. Mit dem Ende des Kalten Krieges verschwand die Entschuldigung für den Besitz von Atomwaffen, ihren Gebrauch durch die andere Seite zu verhindern. Es gibt jetzt eine Gelegenheit ohne große Konflikte zwischen führenden Staaten und mit politischer Energie, die hauptsächlich für den expandierenden Handel und Investitionen eingesetzt wird. Das Nichtergreifen dieser Möglichkeit wird viele Regierungen dazu bringen, die mächtigsten Länder nachzuahmen und irgendwelche Massenvernichtungswaffen für sich selbst zu erwerben. Wenn die Welt tatsächlich darin Erfolg hat, Atomwaffen und alle Massenvernichtungswaffen abzuschaffen, wäre das ein entscheidender ethischer und praktischer Schritt in die richtige Richtung. Dies würde helfen, den Gedanken zu verbreiten, dass unser gemeinsamer Lebensraum tatsächlich ein globales Dorf ist und es würde eine Woge des Optimismus darüber entstehen lassen, weitere Schritte in die Richtung der Entmilitarisierung zu tun.
7) Another obvious step would be to strengthen the United Nations. It would help to make the Security Council more representative of the world of today, and not remain frozen in the year 1945 when the United Kingdom and France were truly leading states. It is past time to make reforms that take account of the decolonization of the non-Western world, and allow countries such as India, Brazil, Indonesia, and Nigeria to enjoy the status of being permanent members of the Security Council. There is also a good opportunity to make the UN more independent and effective in peacekeeping operations. One improvement would be to establish a permanent volunteer UN peace force that would be available to reinforce humanitarian diplomacy. As events of the 1990s showed, the big states lack the political will to make the UN effective in most situations of civil war and humanitarian emergency of the kind that occurred in Somalia, Bosnia, Rwanda, Zaire/Congo, and elsewhere. 7) Ein anderer naheliegender Schritt würde sein, die Vereinten Nationen zu stärken. Es würde helfen, den Sicherheitsrat repräsentativer für die heutige Welt zu machen und nicht im Jahr 1945 stehen zu bleiben, als Großbritannien und Frankreich wirklich führende Staaten waren. Es ist höchste Zeit, Reformen zu machen, die die Dekolonisation der nicht-westlichen Welt berücksichtigen und Ländern wie Indien, Brasilien, Indonesien und Nigeria erlauben, den Status eines ständigen Mitgliedes des Sicherheitsrates zu genießen. Es gibt auch die gute Gelegenheit, die UN in Friedensmissionen unabhängiger und effektiver zu machen. Eine Verbesserung wäre, eine ständige freiwillige UN-Friedenstruppe zu schaffen, die verfügbar wäre, um die humanitäre Diplomatie zu stärken. Wie die Ereignisse in den 90ern zeigten, fehlt es den großen Staaten zumeist am politischen Willen, die UN in Situationen wie Bürgerkrieg und humanitärem Notfall, wie es sich in Somalia, Bosnien, Ruanda, Zaire/Kongo und anderswo zugetragen hat, effektiv zu machen.
8) A further move would be to democratize the UN, especially the Security Council, moving away from secrecy and making greater use of the World Court to test controversial legal questions. The basic idea would be to make the UN a more open and independent political force in the world, much less vulnerable to being pushed around by the biggest member states, especially the United States. As a result, the UN would become more respected and more useful. Also helpful would be a greater role for representatives of global civil society, of the peoples of the world. One solution would be to establish a Peoples Assembly, elected directly to represent the citizens of the world and civil society. The Peoples Assembly would sit alongside the General Assembly representing sovereign states in a session at the UN each year. 8) Eine weitere Maßnahme wäre, die UN zu demokratisieren, besonders den Sicherheitsrat, indem sie von der Verschwiegenheit Abstand nimmt und größeren Gebrauch vom Internationalen Ständigen Gerichtshof macht, um umstrittene rechtliche Fragen zu untersuchen. Die grundlegende Idee wäre, die UN zu einer offeneren und unabhängigeren politischen Gewalt in der Welt zu machen, die viel weniger anfällig dafür ist, von den größten Mitgliedsstaaten, besonders von den Vereinigten Staaten, herumgeschubst zu werden. Folglich würde die UN mehr respektiert und brauchbarer werden. Ebenfalls hilfreich wäre eine bedeutendere Rolle für Vertreter der globalen bürgerlichen Gesellschaft, der Nationen der Welt. Eine Lösung wäre, eine Völkerversammlung einzurichten, die direkt gewählt wird, um die Bürger der Welt und die Zivilgesellschaft zu vertreten. Die Völkerversammlung würde parallel zu der Generalversammlung tagen, die die souveränen Staaten in einer jährlichen Sitzung bei der UN vertritt.
9) Another important reform would make the UN more financially secure through income from some kind of tax on global activity. Whether this tax was levied on financial transactions, jet travel, arms sales, or use of the global commons is less important than the idea of allowing the UN to raise its own money, and no longer depend mainly on contributions from the richest states in the world.9) Eine andere wichtige Verbesserung würde die UN durch ein Einkommen mit einer Art von Steuer auf globale Aktivität finanziell sicherer machen. Ob diese Steuer nun auf finanzielle Transaktionen, Flugreisen, Waffenhandel oder den Gebrauch von weltweiten Allgemeingütern erhoben würde, ist weniger wichtig als die Idee, der UN zu erlauben, sich ihr eigenes Geld zu beschaffen und nicht länger hauptsächlich von den Beiträgen der reichsten Staaten der Welt abhängig zu sein.
10) A stronger UN could not on its own achieve the overall goals of humane governance. But a revived UN would help greatly to provide the institutional foundations for a type of global governance that was more law-oriented, more democratic, and more effective in responding to the most serious causes of human suffering. Such a UN could more easily coordinate its efforts with structures of regional governance, and could work closely with civil society actors in the crucial substantive areas of environmental protection and the promotion of human rights.10) Eine stärkere UN könnte nicht alleine die gesamten Ziele humaner Kontrolle erreichen. Aber eine UN, die zu neuem Leben erweckt wurde, würde sehr dabei helfen, das institutionalisierte Fundament für eine Form von globaler Kontrolle bereitzustellen, das Gesetzorientierter, demokratischer und effektiver wäre in der Reaktion auf die ernstzunehmenden Ursachen menschlichen Leidens. Solch eine UN könnte leichter ihre Bemühungen mit Strukturen regionaler Kontrolle koordinieren und könnte eng mit Handlungsträgern der bürgerlichen Gesellschaft zusammenarbeiten in den äußerst wichtigen Bereichen des Umweltschutzes und dem Schutz der Menschenrechte.
11) But nuclear disarmament and UN reform, even if successful, are not enough. More drastic revisions are needed at the level of ideas, especially in relation to the role of violence as an element of global security. So far even the UN has tended to meet violence with violence, reinforcing the belief that only physical power contains power. The UN becomes an agency of authorized war making, as happened in the Gulf War. Instead the UN needs to experiment, in collaboration with civil society, with various forms of nonviolent civil resistance. Such an embrace of nonviolence, combined with the protection of human rights and the maintenance of a sustainable environment, are essential parts of creating a peace culture, permitting us to believe in a more humane system of governance at the dawn of the new millennium.11) Aber die nukleare Abrüstung und eine UN-Reform, auch wenn sie erfolgreich ist, sind nicht genug. Drastischere Änderungen auf gedanklicher Ebene werden gebraucht, besonders in Beziehung auf die Rolle von Gewalt als ein Teil der weltweiten Sicherheit. Bislang hat selbst die UN dazu geneigt Gewalt mit Gegengewalt zu beantworten, und hat dabei den Glauben verstärkt, dass nur physische Macht Macht beinhaltet. Die UN wird zur einer Agentur für erlaubte Kriegsführung, wie es im Golf Krieg geschehen ist. Dagegen muss die UN in Zusammenarbeit mit der bürgerlichen Gesellschaft, mit verschiedenen Formen von gewaltlosem bürgerlichen Wiederstand experimentieren. So ein Einschluss der Gewaltlosigkeit, verknüpft mit dem Schutz der Menschrechte und der Erhaltung der Umwelt, sind notwendige Anteile um eine Friedenskultur zu schaffen, die es uns erlaubt, zu Beginn des neuen Jahrtausends an ein menschlicheres System der Kontrolle zu glauben.
12) Much will depend on whether capital-oriented or people-oriented social forces gain the upper hand in the struggle to shape policymaking. Governments remain the most important actors in many settings, and their priorities will make a big difference with respect to whether the attainment of humane governance is a feasible project or just an empty dream in a nightmare world.12) Viel wird davon abhängen ob kapitalorientierte oder menschenorientierte gesellschaftliche Mächte die Oberhand im Kampf um die Gestaltung der Politik, gewinnen. Regierungen werden die wichtigsten Figuren auf vielen Schauplätzen bleiben, und ihre Prioritäten werden die Sachlage, ob das Erreichen einer humanen Regierung möglich oder nur ein leerer Traum in einer Welt des Alptraums ist, völlig verändern.
13) The strength of transnational corporations and financial markets seems overwhelming at present, as does their influence upon the political leadership of the world. The more idealistic and visionary commitments to humane governance seem remote and improbable. But let us remember that in 1980 it would have seemed a mad project to liberate Eastern Europe or to put Nelson Mandela in control of South Africa! Every advance in the organization of human society began as a mad dream. Some of these dreams became real when enough people on the ground took them seriously enough to bear witness and endure sacrifice. Whether the mad dream of humane governance will come true cannot be foretold. Its prospects definitely improve each time a person dares to feel, think, and act as if such a journey to the future was a matter of life and death! **********13) Die Stärke von internationalen Unternehmen und finanzielle Märkte scheint überwältigend, ebenso wie ihr Einfluss auf die politische Führung der Welt. Idealistischeres und visionäres gegenwärtiges Engagement für eine menschliche Regierung scheint fern und unwahrscheinlich. Aber lassen Sie uns daran denken, dass es im Jahre 1980 so schien, dass es ein schlechtes Projekt sei Osteuropa zu befreien oder Nelson Mandela die Kontrolle über Afrika zu geben. Alle Fortschritte in der Organisation der menschlichen Gesellschaft begannen als verrückter Traum. Manche dieser Träume wurden wahr, als genug Leute aus dem Volk sie ernst genug nahmen, um sie zu bezeugen und Opfer bringen. Ob der verrückte Traum der menschlichen Regierungen wahr wird, kann nicht vorrausgesagt werden. Ihre Aussichten werden sich jedes Mal definitiv verbessern, wenn jemand es wagt zu fühlen, zu denken und zu handeln, wie wenn die Reise in die Zukunft eine Frage von Leben und Tod wäre. **********
14) Returning to the room of my children. I have a short final message to give as they prepare to sleep: “My dear children, this fable of humane governance might be able to make your life as an adult quite amazing, making the worries of the present seem like distant memories. May you have the good fortune to live in such a world that we your parents can only now imagine as a remote possibility!”14) Wieder im Zimmer meiner Kinder. Ich habe eine kurze endgültige Nachricht für sie, während sie sich auf das Schlafen vorbereiteten. „Meine lieben Kinder, diese Fabel über menschliche Regierung könnte in der Lage sein, euer Leben als Erwachsene äußerst erstaunlich zu machen und die Sorgen der Gegenwart wie entfernte Erinnerungen erscheinen zu lassen. Möget ihr das Glück haben, in einer solchen Welt zu leben, die wir, eure Eltern, uns jetzt erst als wage Möglichkeit vorstellen können.“

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