Autor: Nelson Mandela

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Nelson Mandela aus Südafrika verbrachte vor seiner Entlassung 1990 27 Jahre im Gefängnis. Auf Robben Island zeigte er ein seltenes Talent zur Konfliktregelung.

Indem er der rohen Brutalität der Aufseher mit menschlicher Würde entgegnete, baute er eine Respektbeziehung auf. Die Wächter wurden schließlich zu Freunden und wurden 1994 von Mandela als seine persönlichen Gäste zu der Zeremonie eingeladen, als er, anschließend an die allgemeinen Wahlen, zum Präsidenten von Südafrika erkoren wurde. Er teilte den Friedensnobelpreis von 1993 mit F. W. de Klerk.
(Mehr unter www.nobel.se/peace/laureates und www.wagingpeace.org/news/mandela.html).

Englisch:

Welcome to Robben Island

Deutsch:

Willkommen auf Robben Island!

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One night towards the end of May, a warder came to my cell and told me to pack my things. I asked him why, but he did not answer. In less than ten minutes, I was escorted down to the reception office where I found three other political prisoners: Tefu, John Gaetsewe and Aaron Molete. Colonel Aucamp curtly informed us that we were being transferred. Where? Tefu asked. Someplace very beautiful, Aucamp said. Where? said Tefu. ’Die Eiland,’ said Aucamp. The island. There was only one. Robben Island.

Eines Nachts gegen Ende Mai kam ein Aufseher zu meiner Zelle und wies mich an, meine Sachen zu packen. Ich fragte ihn, warum, aber er antwortete nicht. In weniger als zehn Minuten wurde ich hinunter zum Empfangsbüro eskortiert, wo ich drei andere politische Gefangene fand: Tefu, John Gaetsewe und Aaron Molete. Oberst Aucamp informierte uns knapp, dass wir verlegt werden würden. Wohin? sagte Tefu. "Die Eiland" sagte Aucamp. Die Insel. Es gab nur eine. Robben Island.

1) The four of us were shackled together and put in a windowless van that contained only a sanitary bucket. We drove all night to Cape Town, and arrived at the city’s docks in the late afternoon. It is not an easy or pleasant task for men shackled together to use a sanitary bucket in a moving van.1) Wir vier wurden zusammengebunden und in einen fensterlosen Bus gesteckt, der nur einen Toiletteneimer enthielt. Wir fuhren die ganze Nacht nach Kapstadt und erreichten die Hafenanlagen der Stadt am späten Nachmittag. Es ist keine leichte oder angenehme Aufgabe für Männer, die aneinander gefesselt sind, einen Toiletteneimer in einem schaukelnden Bus zu benutzen.
2) The docks at Cape Town were swarming with armed police and nervous plain-clothed officials. We had to stand, still chained, in the hold of the old wooden ferry, which was difficult as the ship rocked in the swells off the coast. A small porthole above us was the only source of 1ight and air. The porthole served another purpose as well: the warders enjoyed urinating on us from above. It was still light when we were led on deck and we saw the island for the first time. Green and beautiful, it looked at first more like a resort than a prison.2) Die Docks von Kapstadt wimmelten von bewaffneter Polizei und nervösen Beamten in Zivil. Wir mussten, immernoch gefesselt, im Lagerraum der alten, hölzernen Fähre stehen, was schwierig war, da das Schiff im Wellengang vor der Küste schaukelte. Eine kleine Luke über uns war die einzige Licht- und Luftquelle. Die Luke diente auch einem anderen Zweck: Die Wärter machten sich einen Spaß daraus, von oben auf uns herunter zu urinieren. Es war noch hell, als wir an Deck geführt wurden und zum ersten Mal die Insel sahen. Grün und schön sah sie zunächst mehr wie ein Erholungsort als wie ein Gefängnis aus.
3) ’Esquithini.’ ’At the island.’ That is how the Xhosa people describe the narrow, windswept outcrop of rock that lies eighteen miles off the coast of Cape Town. Everyone knows which island you are referring to. I first heard about the island as a child. Robben Island was well known among the Xhosas after Makanna (also known as Nxele), the six-foot six-inch commander of the Xhosa army in the Fourth Xhosa War, was banished there by the British after leading ten thousand warriors against Grahamstown in 1819. He tried to escape from Robben Island by boat, but drowned before reaching shore. The memory of that loss is woven into the language of my people who speak of a ’forlorn hope’ by the phrase ’Ukuza kuka Nxele.’3) "Esquithini". "Auf der Insel". So beschreiben die Xhosa die schmale, windige Felsnase, die achtzehn Meilen vor der Küste Kapstadts liegt. Jeder weiß, welche Insel man meint. Ich hatte als Kind zum ersten Mal von der Insel gehört. Robben Island war unter den Xhosas sehr gut bekannt, nachdem Makanna (auch als Nxele bekannt), der sechs Fuß und sechs Inches große Führer der Xhosa Armee im Vierten Xhosa Krieg, von den Briten dorthin verbannt worden war, nachdem er 1819 zehntausend Krieger nach Grahamstown geführt hatte. Er versuchte mit einem Boot von Robben Island zu fliehen, ertrank aber bevor er das Ufer erreichte. Die Erinnerung an diesen Verlust wird in die Sprache meiner Leute eingeflochten, die mit dem Ausdruck ‚Ukuza kuka Nxele’ von einer ‚verlorenen Hoffnung’ sprechen.
4) Makanna was not the first African hero confined on the island. In 1638 Autshumao, known to European historians as Harry the Strandloper, was banished by Jan van Riebeeck during a war between the Khoi Khoi and the Dutch. I took solace in the memory of Autshumao, for he is reputed to be the first and only man ever to escape from Robben Island, and he did so by rowing to the mainland in a small boat.4) Makanna war nicht der erste afrikanische Held, der auf der Insel eingesperrt wurde. 1638 wurde Autshumao, der bei europäischen Historikern als ‚Harry the Strandloper’ bekannt ist, von Jan van Riebeeck während eines Krieges zwischen den Khoi Khoi und den Holländern, verbannt. Ich fand Trost in der Erinnerung an Autshumao, denn er gilt als der erste und einzige Mann, der je von Robben Island entkam, und er tat es, indem er in einem kleinen Boot zum Festland ruderte.
5) The island takes its name from the Dutch word for seal, hundreds of which once cavorted in the Icy Benguela currents that wash the shores. Later the island was turned into a leper colony, a lunatic asylum and a naval base. The government had only recently turned the island back into a prison.5) Die Insel hat ihren Namen von dem holländischen Wort für Robbe, von denen einst Hunderte in den Eisigen Benguela Strömen herumtollten, die die Ufer umspülen. Später wurde die Insel in eine Leprakolonie, eine Irrenanstalt und einen Flottenstützpunkt verwandelt. Die Regierung hat die Insel erst kürzlich wieder zu einem Gefängnis gemacht.
6) We were met by a group of burly white warders shouting: ’Dis die Eiland! Hier julle gaan wrek!’ (’This is the island. Here you will die!’) Ahead of us was a compound flanked by a number of guardhouses. Armed guards lined the path to the compound. It was extremely tense. A tall, red-faced warder yelled at us: ’Hier ek is you baas!’ ’Here I am your boss!’ He was one of the notorious Kleynhans brothers, known for their brutality to prisoners. The warders always spoke in Afrikaans. If you replied in English they would say, ’Ek verstaan nie daardie kaffirboetie se taal nie.’ (’I don’t understand that kaffir-lover’s language.’)6) Wir wurden durch eine Gruppe starker weißen Wächter vom Schrei getroffen: ’Dis die Eiland! Hier julle gaan wrek ( Das ist die Insel. Hier werdet ihr sterben!’) Vor uns war ein Grundstück einer Niederlassung, der aus etlichen von Wachhäuser bestand. Bewaffnete Leibwachten zeichneten den Weg zum Grundstück der Niederlassung. Es war extrem angespannt. Ein großer, rotköpfiger Wächter schrie uns an : ‚Hier ek is you baas!’ ‚Hier bin ich euer Boss!’ Er war einer von den allgemein bekannten Kleynhansbrüder, die für ihre Brutalität gegenüber den Gefangenen bekannt waren. Die Wächter sprachen immer auf Afrikanisch. Wenn du auf Englisch geantwortet hast würden sie, ‚Ek verstaan nie daardie kaffirboetie se taal nie.’( Ich verstehe diese Kaffergeliebte Sprache nicht) sagen.
7) As we walked towards the prison, the guards shouted ’Two- two! Two-two!’ — meaning we should walk in pairs, two in front, two behind. I linked up with Tefu. The guards started screaming, ’Haak! Haak!’ The word haak means ’move’ in Afrikaans, but it is customarily reserved for cattle.7) Wie wir in Richtung zum Gefängnis gingen, schrie der Leibwächter ‚ Zwei-Zwei! Zwei- Zwei !’- was bedeutete, dass wir in Paaren laufen sollten , zwei vorne, zwei hinten. Ich kettete mich Tefu an. Die Wächter fingen an ‚Haak! Haak!’ zu schreien. Das Wort haak bedeutet ‚bewegen’ auf Afrikanisch, aber es ist üblicherweise für Vieh reserviert.
8) The warders were demanding that we jog, and I turned to Tefu and under my breath said that we must set an example; if we gave in now we would be at their mercy. Tefu nodded his head in agreement. We had to show them that we were not everyday criminals but political prisoners being punished for our beliefs.8) Die Wächter verlangten , dass wir joggen, und ich drehte mich zu Tefu um und sagte unter meinem Atem, dass wir als Vorbilder sein sollen; wenn wir jetzt aufgaben würden wir an ihrer Gnade sein. Tefu nickte seinen Kopf zur Vereinbarung . Wir mussten denen zeigen, dass wir keine täglichen Verbrecher aber politische Gefangene, die für ihren Glaube bestraft wurden, sind.
9) I motioned to Tefu that we should walk in front, and we took the lead. Once in front, we actually decreased the pace, walking slowly and deliberately. The guards were incredolous. ’Listen,’ Kleynhans said, ’this is not Johannesburg, this is not Pretoria, this is Robben Island, and we will tolerate no insubordination here. Haak! Haak!’ But we continued at our stately pace. Kleynhans ordered us to halt, and stood in front of us: ’Look man, we will kill you, we are not fooling around, your wives and children and mothers and fathers will never know what happened to you. This is the last warning. Haak! Haak!’ 9) Ich winkte Tefu zu, dass wir nach vorne treten sollten und wir übernahmen die Leitung. Einmal vorne, verringerten wir wirklich den Schritt, und gingen langsam und absichtlich. Die Leibwachen waren ungläubig. ’Hört zu’, sagte Kleynhans ,’ das ist nicht Johannesburg, nicht Pretoria, das ist Robben Island, und wir werden hier keine Gehorsamsverweigerung tolerieren. Haak! Haak!’ Aber wir setzten in unserem vornehmen Schritt fort. Kleynhans gab uns zum Auftrag anzuhalten, und er stand vor uns: ‚Schauen Sie Mann, wir werden Sie töten, wir albern nicht dumm herum, eure Frauen und Kinder und Mütter und Väter werden nie erfahren was mit euch geschah. Das ist die letzte Warnung. Haak! Haak!’
10) To this I said: ’You have your duty and we have ours.’ I was determined that we would not give in, and we did not, for we were already at the cells. We were ushered into a rectangular stone building and taken to a large open room. The floor was covered with water a few inches deep. The guards yelled: ’Trek uit! Trek uit!’ (’Undress! Undress!’) As we removed each item of clothing, the guards would grab it, search it quickly and then throw it in the water. Jacket off, searched, thrown in the water. Then the guards commanded us to get dressed, by which they meant for us to put on our soaking clothes.10) Zu diesem sagte ich :’Sie haben ihre Aufgabe und wir haben unsere.’ Ich stellte fest, dass wir nicht aufgeben würden, und wir haben es nicht, wir waren bereits an den Zellen. Wir wurden in ein rechteckiges Steingebäude geführt und zu einem offenen Raum gebracht. Der Fußboden war mit Wasser um einige Zoll länger tief bedeckt. Die Leibwachen kreischten:’ Trek uit! Trek uit!’ (‚Zieht euch aus! Zieht euch aus!‚) Als wir jedes einzelne Kleidungsstück entfernten, ergriffen es die Wächter, durchsuchten es schnell und warfen es ins Wasser. Jacke aus, durchgesucht, ins Wasser geworfen. Danach befahlen uns die Wächter uns anzuziehen, wobei sie für uns meinten, uns unsere durchnässte Kleidung anzuziehen.
11) Two officers entered the room. The less senior of the two was a captain whose name was Gericke. From the start, we could see that he was intent on manhandling us. The captain pointed to Aaron Molete, the youngest of the four of us and a very mild and gentle person, and said, ’Why is your hair so long?’ Aaron said nothing. The captain shouted, ’I am talking to you! Why is your hair so long? It is against regulations. Your hair should have been cut. Why is it long ...’ and then he paused and turned to look at me, and said, ’... like this boy’s?’ pointing at me. I began to speak: ’Now look here, the length of our hair is determined by the regulations...’11) Zwei Offiziere betraten den Raum. Der jüngere von den beiden war ein Hauptmann, dessen Name Gericke war. Von Anfang an konnten wir sehen, dass er die Absicht hatte, uns grob zu behandeln. Der Hauptmann zeigte auf Aaron Molete, der jüngste von uns vier, und eine sehr friedliche und liebenswürdige Person, und sagte: “Warum sind deine Haare so lang?“ , Aaron sagte nichts. Der Hauptmann schrie: “Ich rede mit dir! Warum sind deine Haare so lang? Das ist gegen die Regeln. Deine Haare hätten geschnitten werden sollen. Warum sind sie so lang...“, dann zögerte er, drehte sich zu mir, um mich anzuschauen, und sagte: Magst du seine...?“, Während er auf mich zeigte. Ich begann zu sprechen: “Jetzt schauen sie mal her, die Länge unserer Haare ist von diesem Regelwerk festgelegt...!“
12) Before I could finish he shouted in disbelief: ’Never talk to me that way, boy!’ and began to advance. I was frightened; it is not a pleasant sensation to know that someone is about to hit you and you are unable to defend yourself.12) Bevor ich enden konnte schrie er in Ungläubigkeit: „Rede nie in diesem Ton mit mir, Junge!“, Und er näherte sich. Ich war verängstigt; es ist kein schönes Gefühl zu wissen, dass dich jemand schlagen will und du nicht imstande bist dich zu verteidigen.
13) When he was just a few feet from me, I said, as firmly as I could, ’If you so much as lay a hand on me, I will take you to the highest court in the land and when I finish with you, you will be as poor as a church mouse.’ The moment I began speaking, he paused, and by the end of my speech he was staring at me with astonishment. I was a bit surprised myself. I had been afraid, and spoke not from courage but out of a kind of bravado. At such times, one must put up a bold front despite what one feels inside.13) Als er nur einige Schritte von mir entfernt war sagte ich so förmlich ich konnte: „Wenn Sie mich so schlecht behandeln, werde ich sie vor den höchsten Gerichtshof des Landes ziehen und wenn ich mit Ihnen fertig bin werden Sie so arm wie eine Kirchenmaus sein“. In dem Moment, als ich anfing zu sprechen, zögerte er und als ich fertig war, starrte er mich mit Erstaunen an. Ich war ein bisschen überrascht. Ich hatte Angst und sprach nicht von Mut, aber von einer Art Tapferkeit.
14) ’Where’s your ticket?’ he asked and I handed it to him. I could see he was nervous. ’What’s your name?’ he said. I nodded my head towards the ticket and said, ’It is written there.’ He said, ’How long are you in for?’ I said again, gesturing towards the ticket, ’It is written there.’ He looked down and said, ’Five years! You are in for five years and you are so arrogant! Do you know what it means to serve five years?’ I said, ’That is my business. I am ready to serve five years but I am not prepared to be bullied. You must act within the law.’14) „Wo ist dein Ticket?“, Fragte er und ich gab es ihm. Ich konnte sehen, dass er nervös war. „Wie heißt du?“, sagte er. Ich deutete mit meinem Kopf auf das Ticket und sagte: „Es steht da.“ Er sagte: „Wie lange bist du hier?“, Ich sagte noch mal, in Richtung des Tickets gestikulierend, „Es steht da“. Er sah runter und sagte, „Fünf Jahre! Du bist seit fünf Jahre hier und du bist so arrogant! Weißt du was es heißt fünf Jahre zu verbüßen?“ Ich sagte: „Das ist mein Geschäft. Ich bin bereit fünf Jahre zu verbüßen, aber ich bin nicht darauf vorbereitet tyrannisiert zu werden. Sie müssen nach dem Gesetz handeln.“
15) No one had informed him who we were, or that we were political prisoners, or that I was a lawyer. I had not noticed it myself, but the other officer, a tall, quiet man, had vanished during our confrontation; I later discovered that he was Colonel Steyn, the commanding officer of Robben Island. The captain then left, much quieter than he had entered.15) Niemand hatte ihn informiert wer wir waren, dass wir politische Gefangene waren oder dass ich ein Anwalt war. Ich hatte es selbst nicht bemerkt, aber der andere Offizier, ein großer, ruhiger Mann, war während der Gegenüberstellung verschwunden; ich fand später heraus, dass er Colonel Steyn war, der befehlshabende Offizier von Roben Island. Der Hauptmann ging dann, viel ruhiger, als er gekommen war.

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