Autor: Allister Sparks

Online teilnehmen

Allister Sparks, ein Südafrikaner aus der fünften Generation, hat 47 Jahre lang für Zeitungen im In- und Ausland und für die South African Broadcasting Corporation über sein Land geschrieben und übertragen. Er hat zwei Bestseller geschrieben, The Mind of South Afrika und Tomorrow is another country (1996).
(Mehr unter: wwics.si.edu/NEWS/speeches/sparks.htm und www.truth.org.za).

Englisch:

Talking can do Miracles

Deutsch:

Sprechen kann Wunder bewirken

Schule::
Schüler
Fachliche Unterstützung:

Five months after his release from prison in 1990, Nelson Mandela caused a diplomatic storm during one his first trips into the outside world that he had not seen for 27 years. Speaking at a press conference in Dublin he bluntly advised the British Government to try to resolve the long and bloody Northern Irish conflict by sitting down and talking with the IRA without insisting that it first abandon its violent struggle for incorporation into the Republic of Ireland.

Fünf Monate nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis im Jahre 1990, verursachte Nelson Mandela ein diplomatisches Unwetter während einer seiner ersten Reisen in der Außenwelt, die er 27 Jahre lang nicht gesehen hatte. Bei einer Pressekonferenz in Dublin, bei der er sprach, riet er ganz offen der britischen Regierung, dass sie versucht den langandauernden und blutigen Nordirlandkonflikt durch Zusammensetzen und Gesprächen mit der IRA zu lösen, ohne darauf zu bestehen, dass sie zuerst ihren gewaltsamen Kampf zur Aufnahme in die Republik Irland aufgibt.

1) The British media, until then aglow with praise for the man who was soon to be awarded the Nobel Peace Prize, was outraged. The Daily Express described Mandela’s statement as “tragically insensitive”. The Times described it as “a bad stumble” which would surely blight Mandela’s meeting the next day with British Prime Minister Margaret Thatcher. The Daily Mail mockingly suggested that after his long incarceration Mandela’s view of the world outside Southern Africa “seems to be caught in some kind of time warp.”1) Die britischen Medien, bis dahin glühend vor Lob für den Mann, dem bald der Friedensnobelpreis verliehen werden würde, waren empört. Der Daily Express bezeichnete Mandelas Aussage als „tragisch unempfindlich“. Als „ein übles Stolpern“ bezeichnete die Times die Aussage, welche die Begegnung mit der britischen Premierministerin Margaret Thatcher am nächsten Tag sicherlich zunichte machen würde. Der Daily Mail unterstellte spöttisch, dass Mandelas Sicht über die Welt außerhalb von Südafrika nach seiner langen Einkerkerung „in einer Art Entstellung gefangen zu sein scheint“.
2) A Downing Street spokesman haughtily noted that “the British Government’s position is clear — we don’t talk to terrorists.” Even the Labour Party leader, Neil Kinnock, an avowed admirer of Mandela, lamented that the African National Congress leader appeared to have been badly advised. “As a friend,” said Kinnock, “I owe it to him to say that the Provisional IRA are a bunch of murderous gangsters. Nothing more, nothing less.”2) Ein Sprecher der Downing Street bemerkte hochmütig, dass „der Standpunkt der britischen Regierung eindeutig sei- wir sprechen nicht mit Terroristen“. Sogar der Vorsitzende der Labour Partei, Neil Kinnock, ein gestandener Bewunderer von Nelson Mandela beklagte, dass der Vorsitzende des African National Congress schlecht beraten worden zu sein schien. „Als ein Freund“, sagte Kinnock, „bin ich es ihm schuldig zu sagen, dass die provisorische Irisch-Republikanische Armee ein Haufen mörderischer Verbrecher ist. Nicht mehr und nicht weniger“.
3) Yet today, the British Government has indeed been talking to the IRA, and those talks began without the IRA first renouncing its armed struggle. There is reason to believe Mandela’s provocative remarks may have been the catalyst that broke the mould of solidified positions to get this process going. Thus, the one positive response it did elicit came from Gerry Adams, leader of the IRA’s public arm, Sinn Fein, who said he welcomed the statement and was prepared to co-operate and engage in talks. Adams, who visited South Africa soon afterwards, spearheaded the initial contacts on behalf of the IRA, and South Africans were later brought in as advisers to help get the talks going.3) Schon heute hat die britische Regierung tatsächlich mit der IRA Gespräche geführt, und diese begannen, ohne dass die IRA zuerst auf ihren bewaffneten Kampf verzichtete. Es gibt einen Grund zu glauben, dass Mandelas provokative Bemerkungen der beschleunigende Faktor gewesen sein könnte, der die Form der erstarrten Standpunkte brach, um den Prozess zu beschleunigen. Auf diese Weise stammte die einzige positive Antwort, die entlockt wurde, von Gerry Adams, Leiter von Sinn Fein, dem öffentlichen Arm der IRA, der sagte, er würde die Aussage begrüßen und sei bereit zusammenzuarbeiten und sich auf Gespräche einzulassen. Adams, der Südafrika kurz darauf besuchte, stand an der Spitze der anfänglichen Kontakte im Interesse der IRA, und später kamen Südafrikaner mit als Berater um zu helfen die Gespräche in Gang zu bringen.
4) What Mandela’s intervention in the Irish conflict illustrates is the extent of the lessons South Africa learned from its own experience in negotiating a peaceful settlement to its intractable apartheid conflict, which most of the world expected to end in a racial bloodbath. They are simple lessons, encapsulated in Mandela’s rejoinder to a British journalist who asked him at that press conference whether he was aware that the IRA commanded only a small minority of support. “That’s not the issue,” Mandela replied. “The issue is that people are slaughtering one another when they could sit down and discuss the problems in a peaceful manner.” Simple, but devilishly difficult to apply when opposing factions have become locked into obdurate positions and fear that they will lose face among their supporters if they start compromising on principles that have become holy writ.4) Das, was Mandelas Intervention in dem irischen Konflikt veranschaulicht, ist der Umfang der Lektionen, die Süd Afrika in seinen eigenen Erfahrungen im Vermitteln von friedlichen Regelungen zu einem Rassentrennungskonflikt, der, so erwartet die ganze Welt, in einem Blutbad der Rassen enden wird. Es sind einfache Lektionen, die in Mandelas Antwort an einen britischen Journalisten, der ihn bei dieser Pressekonferenz gefragt hat, ob ihm bewusst sei, dass die IRA nur eine kleine Minderheit an Unterstützung befohlen hat, eingeschlossen war. „Das ist nicht das Thema,“ hat Mandela geantwortet. „Das Thema ist, dass Menschen einen anderen abschlachten, obwohl sie sich hinsetzen und die Probleme auf friedliche Wese ausdiskutieren könnten.“ Einfach, aber teuflisch schwer einzusetzen, wenn sich gegenüberstehende Gruppen sich in so verhärtete Positionen verschlossen und Angst haben, dass sie ihr Gesicht gegenüber deren Verfechtern verlieren werden, wenn sie anfangen, Kompromisse über Prinzipien zu machen, die eine heilige Schrift geworden sind.
5) The ANC itself went through this. It began as a moderate movement, foreswearing violence and petitioning South Africa’s white minority Government politely for a better deal. When eventually it was outlawed in 1960 it went underground and adopted a strategy of sabotage, but still committed to avoiding bloodshed. As the conflict intensified the leaders went into exile, formed a military wing and began a guerrilla struggle. Atrocities were committed on both sides, attitudes hardened, and positions became more inflexible and militant. For more than sixty years the thrust of ANC strategy had been to try to bring the Government to the negotiating table, but by the mid-1970s this began to change. Joe Slovo, a communist and key ANC strategist, wrote a book entitled “No Middle Road” in which he warned against the “illusion” that there might be a route to democracy in South Africa other than through “the seizure of power” by the ANC’s guerrilla forces. At a con! gress in Kabwe, Zambia, in June 1985 the ANC formalised this position by adopting a resolution that it would not seek a political settlement through negotiation and would only negotiate a “transfer of power” with a defeated white regime. For its part, the Government vowed that it would not talk to the outlawed ANC unless it first abandoned its armed struggle and agreed to negotiate through the established apartheid structures. It also began seizing the passports of individuals who travelled to Zambia to meet with the exiled leaders.5) Die ANC selbst ging dadurch. Sie begann als gemäßigte Bewegung, die Gewalt verabscheut und Süd Afrikas weiße Minderheitsregierung höflich um ein besseres Abkommen ersuchte. Als dieses 1960 schließlich verabschiedet wurde, geriet es in Vergessenheit nahm eine Art Sabotage an, aber es legte immer noch fest, Blutvergießen zu vermeiden. Als sich der Konflikt verstärkte, gingen die Führer ins Exil, formten einen Militärflügel und begannen einen Guerrillakampf. Grausamkeiten waren auf beiden Seiten festgelegt, die Haltungen verhärteten sich und die Positionen wurden unbiegsamer und militant. Für über sechzig Jahre hat das vertrauen von ANC versucht, die Regierung hinter den Verhandlungstisch zu ziehen, aber Mitte der 70-er fing sich an, das zu ändern. Joe Slovo, ein Kommunist und ANC-Schlüsselstratege, hat ein Buch mit dem Titel „No Middle Road“ geschrieben, in dem er vor der „Illusion“ warnte, dass es einen anderen Weg zu Demokratie in Süd Afrika geben könnte, als durch „die Machtergreifung“ durch die ANC-Guerillakräfte. Auf einem Kongress in Kabwe, Zambia, im Juni 1985 hat die ANC ihre Position durch hinzuziehen einer Resolution dass sie keine politische Regelung durch Verhandlung suchen werden und nur eine „Machtübertragung“ mit einer besiegten weißen Regierung aushandeln. Für seinen Teil hat die Regierung geschworen, dass sie nicht mit der geächteten ANC reden wird, bevor es erstens diese bewaffneten Kämpfe aufgibt und zweitens zustimmt die Ausführung der Rassentrennungsstrukturen auszuhandeln. Sie hat auch begonnen, die Pässe derer festzuklemmen, die nach Zambia reisen, um sich mit den Führern im Exil zu treffen.
6) Yet even as this was happening, Mandela was beginning a series of discussions with Government leaders, including a Cabinet Minister and the head of the National Intelligence Service, while still in prison. In all he was to have 47 meetings over four years. He was acting on his own and for a long time he kept the meetings secret from his colleagues in exile. “I knew it would be opposed by our own people as well as those on the Government side,” he explained later. “I would have to adopt a strategy that would enable me to confront people with a fait accompli.”6) Schon als das passierte, begann Mandela eine Reihe Diskussionen mit Regierungsführern, inklusive einem Kabinet-Minister und dem Kopf des National Intelligence Service, während er immer noch im Gefängnis saß. Alles in allem hatte er 47 Treffen in 4 Jahren. Er handelte auf eigene Faust und lange Zeit hielt er die Treffen geheim vor seinen Kollegen im Exil. „Ich wusste, es würde sowohl von unseren eigenen Leuten, als auch von denen der Regierung schlecht geheißen werden“, erklärte er später. „Ich musste eine Strategie verwenden, die es mir ermöglicht, Die Leute vor vollendete Tatsachen zu stellen“
7) But dialogue was under way and soon it began to spread. More and more white South Africans, businessmen, journalists and academics, defied the Government’s threats and began travelling abroad to meet with the exiled ANC leaders. In August 1987 a group of fifty white Afrikaner dissidents travelled to the Senegalese capital of Dakar for a week of detailed discussions with ANC leaders. In the same year a series of more heavyweight meetings took place between the ANC and members of an influential inner circle of Afrikaner decision-makers known as the Broederbond, or Brotherhood. This was followed by another secret series of meetings between top ANC exiles and senior members of the National Intelligence Service in Switzerland. Then on July 5 1989 Mandela, still a prisoner, met quietly with President P W Botha in the latter’s Cape Town office by night.7) Der Dialog war jedoch bereits im Gange und begann sich bald auszubreiten. Immer mehr weiße Südafrikaner, Geschäftsleute, Journalisten und Akademiker, begannen den Drohungen der Regierung zum Trotz ins Ausland zu reisen, um sich mit im Exil lebenden ANC-Führern zu treffen. Im August 1987 reiste eine Gruppe von 50 weißen afrikaandischen Regimekritikern zu eingehenden Gesprächen mit dem ANC für eine Woche in die senegalesische Hauptstadt Dakar. Im selben Jahr fand eine Reihe von hochkarätigeren Treffen zwischen dem ANC und Mitgliedern eines einflussreichen inneren Zirkels afrikandischer Entscheidungsträger, auch bekannt als Broederbond oder Bruderschaft, statt. In der Folge kam es zu weiteren geheimen Treffen von exilierten Spitzenvertretern des ANC und hochrangigen Vertretern des Nachrichtendienstes in der Schweiz. Schließlich - am 5. Juli 1989 nachts - trafen sich Mandela, der zu dieser Zeit immer noch inhaftiert war, und Präsident P.W. Botha heimlich im Büro des Präsidenten in Kapstadt.
8) And so the mould of inflexibility was gradually chipped away — mostly in secret to save face for both sides. When Botha stalled on the process, a palace coup in August 1989 saw him replaced as President by F W de Klerk. Six months later the new President announced the release of Mandela and the unbanning of the ANC. Four years of secret negotiations had ended. Another four were to follow in public in a huge Negotiating Council involving 228 delegates representing 19 political parties. These talks broke down seriously once and came to the brink on several other occasions as violent confrontations and massacres around the country threatened to derail them, but each time key leaders on both sides managed to keep the process on track until finally agreement on a new democratic Constitution was agreed and an election date was set.8) Auf diese Weise wurden die verkrusteten, inflexiblen Strukturen langsam aufgebrochen, meist in geheimen Treffen, damit beide Seiten ihr Gesicht wahren konnten. Als Botha den Prozess ins Stocken brachte, wurde er im August 1989 im Zuge einer Palastrevolution durch Präsident F.W. de Klerk ersetzt. Sechs Monate später verkündete der neue Präsident die Freilassung Mandelas und hob das Verbot des ANC auf. Damit fanden vier Jahre geheimer Verhandlungen ein Ende. Es folgten weitere vier Jahre öffentlicher Verhandlungen im so genannten Negotiating Council, dem großen Verhandlungsrat, dem 228 Deligierte als Vertreter von 19 politischen Parteien angehörten. Einmal kam es zu einem ernsthaften Abbruch der Gespräche und mehrmals standen sie kurz davor zu scheitern, als gewalttätige Auseinandersetzungen und Massaker überall im Land drohten, die Situation entgleisen zu lassen. Doch jedes Mal gelang es Schlüsselfiguren auf beiden Seiten, die Verhandlungen in der Spur zu halten, bis schließlich ein Abkommen über die neue demokratische Verfassung erzielt und ein Termin für Wahlen angesetzt war.
9) It was a remarkable phenomenon: an authoritarian country with no history or experience of inter-racial dialogue had engaged in what Professor David Welsh of the University of Cape Town called “a gigantic and ongoing seminar” on the future of the country. And it had reached concurrence. People as far apart as the Communist Party and the right wing of the apartheid regime’s National Party had agreed on the essential shape of that future. Moreover, it was all done without the help of outsiders. There was no United Nations brokerage or Camp David conference, no meeting of old adversaries on the White House lawn. These widely divergent elements who had been at each other’s throats for so long had thrashed out a new Constitution for themselves.9) Es war ein bemerkenswertes Phänomen: ein autoritäres Land, ohne jegliche Geschichte oder Erfahrung im Dialog zwischen den Rassen hatte an einem “gigantischen und immer noch andauernden Seminar” über die Zukunft des Landes teilgenommen, wie es Professor David Welsh von der Universität Kapstadt ausdrückt. Und es hatte Übereinstimmung erzielt. Solch unterschiedliche Menschen wie die Mitglieder der Kommunistischen Partei und des rechten Flügels der National Party des Apartheidregimes hatten sich im wesentlichen darauf geeinigt, wie diese Zukunft aussehen sollte. Und dies alles ohne die Hilfe von Außenstehenden. Es gab keine Unterhändler der Vereinten Nationen und keine Konferenz in Camp David, kein Treffen alter Widersacher auf dem Rasen des Weißen Hauses. Die Vertreter so unterschiedlicher Positionen, die sich so lange gegenseitig an die Kehle gegangen waren, hatten eine neue Verfassung für sich selbst ausgearbeitet.
10) What made this possible? One critical factor is that over the previous decade a culture of negotiation had developed within the black South African community, and this reached a sophisticated maturity during the protracted and intensive political bargaining in the Negotiating Council.10) Wodurch wurde dies ermöglicht? Ein entscheidender Faktor ist, dass sich in der vorangegangenen Dekade eine Verhandlungskultur innerhalb der schwarzen südafrikanischen Gemeinschaft herausgebildet hatte. Dadurch konnten die langwierigen und intensiven Gespräche im Verhandlungsrat differenziert und sachlich geführt werden.
11) The irony is that this culture had its origins within the apartheid system. Until 1979 black South Africans were denied trade union rights and so had no industrial bargaining power. But during the latter part of that decade, as South Africa began to expand as an industrial power, these workers asserted their numerical power by staging a series of spontaneous mass strikes. Exasperated employers, finding they had no-one with whom to negotiate settlement terms, pressured the Government into allowing black workers to form trade unions. Overnight a massive labour movement arose, and negotiating industrial agreements became the order of the day. Within a few years thousands of shop stewards around the country had become experienced negotiators. In the absence of any overt political leadership — all were either underground or in exile — these shop stewards also became community leaders in their segregated townships where they used their negotiating skills to deal with the apartheid regime’s adminstrators.11) Die Ironie ist, dass diese Kultur ihre Ursprünge in der Apartheid hatte. Bis 1979 wurden schwarzen Südafrikanern Gewerkschaftsrechte verweigert und hatten damit keine industrielle Handelsmacht. Aber im letzten Teil dieses Jahrzehntes, als Südafrika begann, sich zu einer Industriemacht auszudehnen, behaupteten diese Arbeiter ihre zahlenmäßige Stärke durch die Inszenierung einer Reihe plötzlicher Generalstreiks. Verzweifelte Arbeiter, die bemerkten, dass sie niemanden hatten, mit dem sie über Schlichtungsbestimmungen verhandeln konnten, setzten die Regierung unter Druck, das Gründen von Gewerkschaften für schwarze Arbeiter zu erlauben. Über Nacht entstand eine gewaltige Arbeiterbewegung und das Aushandeln von Industrieverträgen wurde zur Tagesordnung. Innerhalb weniger Jahre wurden Tausende gewerkschaftlicher Vertrauensmänner in Land zu erfahrenen Verhandlungsführern. Ohne irgendwelche offenen, politischen Führungen – alle waren entweder in Untergrund oder im Exil – wurden diese Vertrauensmänner in ihren getrennten Ortschaften auch Bürgermeister, wo sie ihre Verhandlungsfähigkeiten nutzen, um mit den Verwaltern des Apartheidregimes zu verhandeln.
12) As political tensions rose during the 1980s and the Government detained more and more of these community leaders under its emergency laws, more trade unionists took their places. So the army of experienced negotiators expanded, and negotiation, deal-making, became part of the culture of the black townships and infused the entire community. When the political negotiating began, therefore, it did so within the context of a black community which understood the processes of collective bargaining, of compromises and deal-making. At the same time the most skilled negotiators led the ANC team. It was a highly sophisticated operation.12) Als in den 80er Jahren politische Spannungen aufkamen und die Regierung immer mehr dieser Bürgermeister durch ihre Notstandsgesetze festnahm, nahmen mehr Gewerkschaftler ihre Plätze ein. So vergrößerte sich die Armee erfahrener Unterredner und Verhandlungen und Beschlüsse von Geschäften, wurden Teil der Kultur der schwarzen Ortschaften und beeinflusste das gesamte Gemeinwesen. Als das politische Verhandeln deshalb begann, tat es dies mit dem Hintergrund einer schwarzen Gemeinschaft, die den Verlauf eines gemeinsamen Handels, von Kompromissen und Abmachungsbeschlüssen verstand. Zur gleichen Zeit führten die fähigsten Verhandlungsführern das ANC-Team. Es war eine sehr kultivierte Betätigung.
13) Still, it would be naive to suggest that negotiating skills and a willingness to talk is all that is required to find peaceful settlements to intractable conflict situations which are often bedevilled by ancient feuds that have been mythologised into deep-rooted grievances. These elements are helpful, but there has to be a confluence of events that creates a window of opportunity — and when that window appears, there has to be a quality leadership in place that is capable of spotting it and seizing the opportunity.13) Es wäre immer noch einfältig zu behaupten, dass Verhandlungsfähigkeiten und Gesprächswille alles sind, was notwendig ist, um friedliche Entscheidungen für hartnäckige Konfliktsituationen zu finden, die häufig durch alte Fehden gestört sind, die zu tief verwurzelten Missständen aufgebauscht wurden. Diese Bausteine sind hilfreich, aber es muss ein Zusammenkommen von Ereignissen geben, das ein Fenster von Möglichkeiten öffnet – und sobald dieses Fenster geöffnet wird, muss eine geeignete Führung zur Stelle sein, die fähig ist, es zu erkennen und die Möglichkeit zu ergreifen.
14) Peaceful settlements are not possible when the protagonists on both sides have more to gain from a continuation of the conflict than its settlement. This is often the case with the middle men, the generals and the warlords, who control people and territory whose wealth they can loot as long as the conflict continues but who would lose all that if it ended. Or the rebel leader who enjoys patronage and a measure of international status as long as his war goes on. Or the crafty despot with his back against the wall who will harness proxies, arm militia and inflame ethnic passions to keep a war going because that is his only perceived means of survival. Or the leader who believes he can win the war and doesn’t want to compromise on the spoils of his anticipated victory.14) Friedliche Entscheidungen sind nicht möglich, wenn die führenden Köpfe beider Seiten mehr an der Fortführung des Konfliktes als an seiner Lösung zu gewinnen haben. Dies ist häufig der Fall mit den Zwischenhändlern, den Generalen und den Kriegsherren, die Menschen und Boden kontrollieren, deren Wohlergehen sie so lange ausplündern können, solange der Konflikt andauert, aber die all dies verlieren würden, wenn er enden würde. Oder der Führer von Aufständischen, der Unterstützung und ein Maß von internationalem Status genießt, solange der Krieg andauert. Oder der listige Tyrann mit dem Rücken zur Wand, der Bevollmächtigte und Waffenmiliz anschirrt und ethische Vorlieben entflammt, um einen Krieg andauern zu lassen, weil dies seine einzige wahrgenommene Überlebensmöglichkeit ist. Oder der Führer, der glaubt, er kann den Krieg gewinnen und der nicht den Gewinn seines vorhergesehenen Sieges gefährden will.
15) Opportunities for a negotiated settlement are often born out of stalemate. If the conflict is dragging on with neither side seeing a prospect of victory and both are feeling the pain of its continuance, then there may be a chance for commonsense to prevail. Pride and prejudice will still stand in the way, and that is where the negotiating skills are required to find the compromises that will give a sense of security and honour to both. Get them talking, and when they begin to see past the stereotyped images they have created of each other to the real human being on the other side of the table, then there is a chance.15) Gelegenheiten für eine verhandelte Entscheidung entstehen oft aus einer Sackgasse. Wenn der Konflikt sich mit keiner Seite, die eine Aussicht auf den Sieg hat, in die Länge zieht und wenn beide den Schmerz von seiner Fortsetzung spüren, dann gäbe es eine Möglichkeit für den gesunden Menschenverstand die Oberhand zu gewinnen. Stolz und Vorurteile werden immer noch im Weg stehen und dort müssen die Verhandlungsgeschicke ansetzen um Kompromisse zu finden, die beiden ein Sicherheitsbewusstsein und Ehre geben werden. Lasst sie sich unterhalten und wenn sie beginnen über die klischeehaften Auffassungen, die sie sich von dem anderen gemacht haben, hinwegzusehen und zum wahren Menschen, der auf der anderen Seite des Tisches sitzt, vordringen, dann gibt es eine Möglichkeit.
16) That is what happened in South Africa. By the mid-1980s its second state of emergency had still failed to quell the waves of strikes and protest demonstrations that had ravaged the country for several years. White South Africa began to realise that while it might be able to contain these periodic uprisings it would never be able to end them — and the cost to the country economically and diplomatically was becoming increasingly burdensome. At the same time the ANC leadership realised that, with the collapse of the Soviet empire which had given it military support, it could doubtless sustain a state of periodic unrest in the country without being able to overthrow the Government. A violent equilibrium, in other words, in which the only outcome could be a steady draining of the country’s resources ultimately reducing it to a wasteland. As this realisation dawned, more and more groups with vested interests in the country — businessmen, investors, religious and intellect! ual leaders — began making their pilgrimages to the ANC in exile, tacit pacts were formed and gradually the ground was laid for the negotiating to take place.16) Dies passierte in Südafrika. Mitte der 80iger Jahre hatte sein zweiter Notstand immer noch versagt die Wellen der Angriffe und Demonstrationen, die das Land über einige Jahre hinweg verwüstet hatten, zu bändigen. Das weiße Südafrika begann zu erkennen, dass, obwohl es möglich wäre diese regelmäßig auftretenden Aufstände zurückzuhalten, es niemals möglich wäre sie zu beenden und dass der wirtschaftliche und diplomatische Verlust für das Land zunehmend beschwerlich geworden war. Zur gleichen Zeit erkannte die Führung der ANC, dass, mit dem Untergang der Sowjetunion, die sie militärisch unterstützt hatte, sie zweifellos einen Zustand mit regelmäßigen Unruhen im Land aushalten könnte ohne die Regierung stürzen zu können. Ein gewaltsames Gleichgewicht mit anderen Worten, in dem das einzige Ergebnis eine stetige Leerung der Landesressourcen sein könnte, das es letzten Endes zu einem Ödland herabsetzen würde. Wie diese Erkenntnis immer mehr Gruppen mit finanziellen Interessen wie Geschäftsmänner, Investoren, religiöse und intellektuelle Führer, die begannen ihre Pilgerfahrten zur ANC ins Exil zu machen, in das Land zog, so wurden stillschweigend Abkommen getroffen und allmählich der Boden für das Abhalten einer Verhandlung geebnet.
17) There is no fixed formula for achieving peaceful settlements, each individual situation will have its own dynamics. But there are lessons to be learned from the few successful examples history has to offer, and South Africa is one of these. Its central lesson is embodied in Mandela’s advice to the people of Ireland: When violence has become endemic, pointless and seemingly insoluble, then think the unthinkable, say the unsayable, break out of your entrenched positions and talk. A miracle may happen.17) Es gibt keine feste Formel um friedliche Regelungen zu Stande zu bringen, jede individuelle Situation wird seine eigene Dynamik haben. Aber es gibt Lehrstunden um von den wenigen erfolgreichen Beispielen, die die Geschichte anzubieten hat, lernen zu können und Südafrika ist eines von diesen. Seine zentrale Lehre ist in Mandelas Ratschlag an die irische Bevölkerung verkörpert: Wenn die Gewalt endemisch, sinnlos und allem Anschein nach unlösbar geworden ist, dann denkt das Undenkbare, sagt das Unaussprechliche, brecht aus euren verschanzten Positionen heraus und redet. Ein Wunder könnte geschehen.

Online teilnehmen