Autor: William. N. Brown

Online teilnehmen

Dr. William Brown, der von 1976-78 in der U.S. Air Force in Taiwan diente, verließ 1988 ein erfolgreiches Unternehmen in Amerika, um an der Xiamen Universität in Fujian, China Betriebswirtschaft (MBA) zu lehren. 1992 wurde ihm als erstem Ausländer die unbeschränkte Aufenthaltserlaubnis in der Provinz Fujian zuerkannt. 1993 überreichte ihm der Premierminister in Peking den „China’s Friendship Award“. Darüber hinaus ist er Ehrenbürger von Fujian und Xiamen. Er hat in China sieben Bücher veröffentlicht, einige Fernsehprogramme gestaltet und Artikel in Dutzenden von Zeitungen wie der Peking Review, Guangming Ribao, Renmin Ribao, Neibu Canyue, Liaowang, Qiu Shi, Mao Zedong Sixiang Yanjiu, Jinri Zhongguo, etc. veröffentlicht

Englisch:

Deutsch:

Ein Feind ist ein Freund, der gewonnen sein will

Anglistisches Seminar, Universität Heidelberg:
Julia und Katharina Schewe,Kai Egner, Eva Janowski, Tobias Kieser, Andreas Mütz, Steffi Schaumann, Immanuel Schulz, Silke Eggensperger, Laura Bastine
Fachliche Unterstützung: Dr. Eva Hänßgen

If the majority of human beings do not want wars but at the same time believe that it is impossible to stop them, then the first change we must bring about is in our heads. We must change the idea that "it is not possible" because it is only what we believe about reality that prevents us from transforming it.
Mikhail Gorbachev, 1997

Wenn die Mehrheit der Menschen keine Kriege will, aber gleichzeitig glaubt, dass es unmöglich ist, sie zu verhindern, muss sich zuerst etwas in den Köpfen der Menschen ändern. Wir müssen von dem Gedanken "es ist unmöglich" loskommen, weil allein unsere Annahmen über die Realität uns davon abhalten, sie umzugestalten."

Michael Gorbaschow, 1997

1) When I served in the U.S. Air Force in Taiwan in the mid 70s, I’d have never imagined that two decades later I’d be the first foreigner granted permanent residence in Fujian province, directly across the Straits. Since I gave up my business in 1988 and moved with my wife and sons to China, the Chinese have been amazingly hospitable, especially considering I once would have been happy to bomb them back into the Stone Age. Of course, I have met a few suspicious folk here and there…1) Als ich Mitte der 70iger Jahre in der U.S.Air Force in Taiwan diente, hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich zwei Jahrzehnte später der erste Ausländer sein würde, der eine unbeschränkte Aufenthaltserlaubnis in der Provinz Fujian, direkt auf der anderen Seite der Meeresenge, erhalten würde. Seitdem ich 1988 mein Unternehmen verlassen habe und mit meiner Frau und unseren Söhnen nach China gezogen bin, sind die Chinesen immer unglaublich gastfreundlich gewesen, vor allem, wenn man bedenkt, dass ich sie einmal nur zu gerne in die Steinzeit zurückgebombt hätte. Natürlich habe ich hier und da auch ein paar misstrauische Leute getroffen…
2) In remote areas, policemen or soldiers sometimes demand, “Where are you from?” “I’m an American devil!” I answer, with a grin. And invariably they grin back and said, “No! No! No devils now! Only American friends!” But I was anything but a friend two decades ago.2) In abgelegenen Gegenden fragen Polizisten oder Soldaten manchmal: „Woher sind sie?“ „Ich bin ein amerikanischer Teufel!“ antworte ich grinsend. Und ausnahmslos grinsen sie zurück und sagen: „Nein! Nein! Keine Teufel mehr! Nur noch amerikanische Freunde!“ Vor zwei Jahrzehnten aber war ich alles andere als ein Freund.
3) While Fujian is not far from my former airbase in Taiwan—only 100 miles or so—I feel light years apart from the young airman who once demonized the Communists as much as they “devilized” us, and I derided even the notion of peace as immoral compromise between good (us) and evil (them). The only honorable alternative was war, which I readily embraced because from my youth I was raised on a diet of death.3) Obwohl Fujian nur rund 100 Meilen von meinem ehemaligen Stützpunkt der Air Force in Taiwan entfernt ist, fühle ich mich Lichtjahre von dem jungen Piloten entfernt, der die Kommunisten früher auf die gleiche Weise als Dämonen hingestellt hatte wie sie uns als Teufel. Ich verspottete jegliche Anzeichen von Frieden als einen unmoralischen Kompromiss zwischen Gut (uns) und Böse (ihnen). Krieg war die einzige ehrenhafte Alternative, ich empfing ihn mit offenen Armen, denn der Tod hatte mein Leben von Anfang an begleitet.
4) When I was a child, our family ate evening meals while glued to the evening news, which presented Vietnam War statistics much like sports scores. “Today’s fatalities: 20 friendlies, 57 Vietcong.” While death was daily, it was comfortably distant—except when it hit people close to home, like Tommy, the 18-year-old soldier who became like a big brother to me. I was devastated when Tommy was killed only months after reaching Vietnam, but I told myself that at least he died a hero.4) Als ich ein Kind war, saß meine Familie beim Abendessen gebannt vor den Abendnachrichten, in denen Statistiken des Vietnamkriegs wie Sportergebnisse präsentiert wurden. „Die heutige Zahl der Toten: 20 aus den eigenen Reihen, 57 aus dem feindlichen Lager.“ Obwohl der Tod etwas Alltägliches war, war er doch angenehm weit weg – außer wenn es jemanden von zu Hause erwischte, so wie Tommy, den 18-jährigen Soldaten, der für mich wie ein großer Bruder geworden war. Ich war am Boden zerstört, als Tommy nur wenige Monate nachdem er in Vietnam angekommen war, ums Leben kam; aber ich sagte mir, dass er immerhin als Held gestorben war.
5) But the real hero in my life was my father, who was a career soldier and had fought for 11 years in Asia. He was a good man who stood by his beliefs, whether in Korea and Vietnam, or back home in America, where other white soldiers sometimes called him “nigger lover” because he treated his black and white troops impartially. He was a strong man, and the only time I ever saw him in tears was when he recounted how misguided Vietnamese children my own age attacked their American liberators—who were forced to kill children in self-defense. I was horrified, and after 4 years of Junior ROTC (Reserve Officer Training Corps) in high school, I too joined the military to fight for peace.5) Aber der wirkliche Held in meinem Leben war mein Vater, der Berufssoldat gewesen war und 11 Jahre in Asien gekämpft hatte. Er war ein guter Mann, der zu seinem Glauben stand, ob in Korea, Vietnam oder zu Hause in Amerika, wo ihn andere weiße Soldaten manchmal „nigger lover“ nannten, weil er seine schwarzen und weißen Truppen gleich behandelte. Er war unerschütterlich, und das einzige Mal, dass ich ihn je weinen sah, war, als er erzählte, wie irregeführte vietnamesische Kinder meines Alters ihre amerikanischen Befreier angriffen – die dadurch gezwungen waren, in Notwehr Kinder zu töten. Ich war entsetzt, und nachdem ich in der High School vier Jahre lang bei dem ROTC (Reserve Officer Training Corps) gewesen war, ging auch ich zum Militär, um für Frieden zu kämpfen.
6) I just missed the Vietnam War, but years later I was thankful I’d never set foot in Vietnam when I read North Vietnam President Ho Chi Minh’s “Declaration of Independence.” On Sept. 2, 1945, Ho Chi Minh denounced France’s decades of atrocities in Vietnam, and then cited the U.S. Declaration of Independence, as well as the French declaration of 1791. Ho confidently concluded, “We are convinced that the Allied nations which at Tehran and San Francisco have acknowledged the principles of self-determination and equality of nations, will not refuse to acknowledge the independence of Vietnam.” 6) Den Vietnamkrieg habe ich gerade so verpasst, aber als ich Jahre später die „Unabhängigkeitserklärung“ des Präsidenten von Nordvietnam, Ho Tschi Min, las, war ich dankbar, dass ich Vietnam nie betreten hatte. Am 2. September 1945 prangerte Ho Tschi Min die jahrzehntelangen Gräueltaten Frankreichs in Vietnam an und zitierte aus der Unabhängigkeitserklärung der USA sowie aus der französischen Verfassung von 1791. Ho beendete seine Rede zuversichtlich: „Wir sind davon überzeugt, dass sich die Alliierten, die in Teheran und San Francisco die Prinzipien der Selbstbestimmung und Gleichheit der Nationen anerkannt haben, nicht weigern werden, die Unabhängigkeit Vietnams ebenfalls anzuerkennen.“
7) Evidently Ho Chi Minh, like my father, had no idea that wars were about business, not justice and democracy. I learned this, ironically enough, during military training.7) Offensichtlich hatte Ho Tschi Min, genau wie mein Vater, keine Ahnung, dass es in Kriegen ums Geschäft geht und nicht um Gerechtigkeit und Demokratie. Dies lernte ich – ironischerweise – während meiner militärischen Ausbildung.
8) After two years in Taiwan, I was trained in Washington D.C. as an Air Force Office of Special Investigations (OSI) Special Agent. During counterterrorism training a couple years later, as I read about terrorists’ philosophy and motives, I was horrified to learn that many of the world’s most unjust regimes were supported by Western nations simply to guarantee access to resources ranging from copper in Chili to uranium in Zaire. When starving landless South Americans protested, Western-trained and supplied troops attacked men, women and children alike with everything from napalm to chemical defoliants that destroyed any lingering hopes of survival. How ironic, I thought, that we spent a fortune stalking a single terrorist to the ends of the earth even as we financed widespread state terrorism to insure cheap coffee and bananas on the breakfast table.8) Nach zwei Jahren in Taiwan wurde ich in Washington D.C. zum Special Agent des Air Force Office of Special Investigation (OSI) ausgebildet. Während ich einige Jahre später an einer Ausbildung zur Terrorismusbekämpfung teilnahm, las ich etwas über die Einstellungen und Motive der Terroristen. Ich war geschockt, als ich erfuhr, dass viele der ungerechtesten politischen Systeme auf der Welt von westlichen Nationen unterstützt wurden, nur um den Zugang zu Bodenschätzen von Kupfer in Chile bis hin zu Uran in Zaire zu garantieren. Als hungernde, landlose Südamerikaner dagegen protestierten, griffen im Westen ausgebildete und ausgerüstete Truppen Männer, Frauen und Kinder an, wobei von Napalm bis zu chemischen Entlaubungsmitteln alles verwendet wurde, was jegliche verbliebene Hoffnung auf Überleben zunichte machte. Wie ironisch, dachte ich mir, dass wir ein Vermögen dafür ausgegeben haben, um einen einzelnen Terroristen bis ans Ende der Welt zu verfolgen, während wir weit verbreiteten Staatsterrorismus finanziert haben, um preiswerten Kaffee und günstige Bananen auf dem Frühstückstisch zu haben.
9) I wavered between doubt and anger, but anger won out when I read the 1933 speech by U.S. Marine Major General Smedley Butler (one of only two Marines to twice receive the Navy Medal of Honor):9) Ich schwankte zwischen Zweifel und Wut, aber die Wut war stärker, als ich die Rede von U.S. Mayor General Smedley Butler (einem von nur zwei Marines, die zweimal die Ehrenmedaille der Navy erhielten) aus dem Jahre 1933 las:
10) “War is just a racket. A racket is best described, I believe, as something that is not what it seems to the majority of people. Only a small inside group knows what it is about. It is conducted for the benefit of the very few at the expense of the masses.10) „Der Krieg ist nichts als ein Geschäft. Ich glaube, dass man ein Geschäft am besten als etwas beschreibt, das nicht das ist, wofür es die meisten halten. Nur eine kleine Gruppe von Eingeweihten weiß, worum es dabei geht. Er wird geführt zum Wohle einiger Weniger und auf Kosten der Masse.“
11) “I believe in adequate defense at the coastline and nothing else. If a nation comes over here to fight, then we'll fight. The trouble with America is that when the dollar only earns 6 percent over here, then it gets restless and goes overseas to get 100 percent. Then the flag follows the dollar and the soldiers follow the flag…11) „Ich glaube an eine angemessene Verteidigung der Küsten und sonst nichts. Wenn eine Nation hierher kommt um zu kämpfen, dann werden wir kämpfen. Das Problem mit Amerika ist, dass es dann, wenn der Dollar hier nur sechs Prozent hinzugewinnt, unruhig wird und nach Übersee geht, um 100 Prozent zu bekommen. Dann folgt die Flagge dem Dollar und die Soldaten folgen der Flagge…“
12) “It may seem odd for me, a military man, to adopt such a comparison. Truthfulness compels me to. I spent thirty- three years and four months in active military service as a member of this country's most agile military force, the Marine Corps. I served in all commissioned ranks from Second Lieutenant to Major-General. And during that period, I spent most of my time being a high class muscle- man for Big Business, for Wall Street and for the Bankers. In short, I was a racketeer, a gangster for capitalism. 12) „Es mag seltsam erscheinen, dass ich, ein Mann des Militärs, solch einen Vergleich anstelle. Die Ehrlichkeit zwingt mich dazu. Ich habe 33 Jahre und vier Monate als Mitglied der schnellsten Einsatztruppe, des Marine Corps, Militärdienst geleistet. Ich habe in allen Positionen gedient, vom Second Leutnant bis zum Major-General. Und während dieser Zeit verbrachte ich die meiste Zeit als hochrangiger Muskelmann des Big Business, der Wall Street und der Banker. Kurz und gut, ich war ein Halsabschneider und Verbrecher im Auftrag des Kapitalismus.
13) “I suspected I was just part of a racket at the time. Now I am sure of it. Like all the members of the military profession, I never had a thought of my own until I left the service. My mental faculties remained in suspended animation while I obeyed the orders of higher-ups. This is typical with everyone in the military service. 13) „Mir kam zu der Zeit der Verdacht, dass ich nur Teil eines Komplotts war. Jetzt bin ich mir dessen sicher. Wie alle im Militärberuf dachte auch ich nie selbstständig, bis ich den Dienst quittierte. Meine geistigen Fähigkeiten blieben außer Kraft gesetzt, während ich den Befehlen der Vorgesetzten gehorchte. Dies ist typisch für jeden im Militärdienst.“
14) “I helped make Mexico, especially Tampico, safe for American oil interests in 1914. I helped make Haiti and Cuba a decent place for the National City Bank boys to collect revenues in. I helped in the raping of half a dozen Central American republics for the benefits of Wall Street. The record of racketeering is long. I helped purify Nicaragua for the international banking house of Brown Brothers in 1909-1912. I brought light to the Dominican Republic for American sugar interests in 1916. In China I helped to see to it that Standard Oil went its way unmolested…14) „1914 half ich in amerikanischem Interesse dabei, in Mexiko, insbesondere in Tampico, Ölvorkommen zu sichern. Ich half dabei, Haiti und Kuba zu profitablen Orten für die National City Bank zu machen, um Geld einzutreiben. Ich half dabei, ein halbes Dutzend mittelamerikanischer Länder für den Profit der Wall Street auszunehmen. Die Liste der Verbrechen ist lang. Von 1909 bis 1912 war ich daran beteiligt, Nicaragua für die internationale Bank Brown Brothers zu säubern. Für das Interesse der Amerikaner am Rohstoff Zucker tat ich 1916 die Dominikanische Republik auf. In China kümmerte ich mich darum, dass Standard Oil unbeschadet seinen Weg nehmen konnte…
15) “Looking back on it, I feel that I could have given Al Capone a few hints. The best he could do was to operate his racket in three districts. I operated on three continents. 15) “Rückblickend habe ich das Gefühl, dass ich Al Capone ein paar Tipps hätte geben können. Al Capone hat es nicht geschafft seine Geschäfte in mehr als 3 Bezirken zu organisieren, ich hingegen wirkte auf 3 Kontinenten gleichzeitig.”
16) After I left the military a few months later I began to rethink my neat division of the world into good and evil nations. I had viewed China, for example, as just an evil empire bent on toppling democratic nations like dominoes. Then I learned how Chinese had suffered for an entire century as the West forced opium on them at gunpoint. When the Chinese emperor appealed to morality and justice, America’s ex-president Adams stirred up popular support for war by stating, “The fundamental principle of the Chinese Empire is anti-commercial. It admits no obligation to hold commercial intercourse… it is time that this outrage upon the rights of human nature, and upon the first principles of the rights of nations, should cease.”16) Ein paar Monate nachdem ich das Militär verlassen hatte, begann ich meine bequeme Unterteilung der Welt in gute und böse Nationen zu überdenken. Zum Beispiel habe ich China nur als böses Imperium gesehen, das darauf aus war, demokratische Staaten wie Dominosteine zu stürzen. Dann habe ich erfahren, dass die Chinesen ein ganzes Jahrhundert lang darunter gelitten haben, dass der Westen mit Waffengewalt den Opiumanbau erzwungen hat. Als der chinesische Kaiser an Moral und Gerechtigkeit appellierte, versuchte der ehemalige amerikanische Präsident allgemeine Zustimmung zu erlangen, indem er sagte: “Der wesentliche Grundsatz des chinesischen Kaiserreichs ist anti-kommerziell. Es lässt sich keine Verpflichtungen zu kommerziellem Austausch auflegen... es ist Zeit, dass diese empörende Verletzung der Rechte der menschlichen Natur und der Rechtsgrundlagen von Staaten aufhört."
17) While most Westerners, by far, opposed opium trafficking, and Britain’s parliament voted unanimously against the 2nd Opium War, the uninformed masses were as malleable then as now. The prime minister simply dissolved parliament, and after a good dose of war rhetoric (which avoided the word “opium”), the British people gladly destroyed China to redeem Britain’s “honor.” 17) Während bei weitem die meisten Menschen in der westlichen Welt gegen Opiumhandel waren und das britische Parlament einstimmig gegen den zweiten Opiumkrieg stimmte, war die uninformierte Bevölkerung damals schon so leicht beeinflussbar wie heute. Der Premierminister löste das Parlament einfach auf und nach einer gesunden Portion Kriegsrhetorik (das Wort “Opium” vermied er) zerstörten die Briten – um die britische “Ehre” wiederherzustellen – China mit Freude.
18) Addictive opium profits have now given way to easy oil money, as I learned after we set up the OSI’s security operation for the Shah of Iran while he was in Texas. I felt pity for the deposed Shah as he paced his heavily guarded compound, and anger towards the Muslims who had ousted him. Then I learned that the CIA and the British had overthrown the democratically elected Mossadeq government simply to monopolize Iran’s oil. Not surprisingly, those same two governments are still fighting for ‘democracy’ in the Middle East to this very day.18) Nachdem wir die OSI Geheimoperation für den Schah von Iran eingerichtet haben, als dieser in Texas war, habe ich erfahren, dass an die Stelle der Profite aus dem Opiumhandel jetzt das Geld aus dem Ölgeschäft getreten ist. Ich empfand tiefes Mitgefühl für den abgesetzten Shah, als er durch sein stark bewachtes Lager hetzte, und gleichzeitig Wut gegenüber den Moslems, die ihn verdrängt hatten. Danach fand ich heraus, dass die CIA und die Briten die demokratisch gewählte Mossadeq- Regierung gestürzt hatten, nur um sich die Monopolstellung beim Abbau der iranischen Ölvorkommen zu sichern. Es ist wenig überraschend, dass eben diese beiden Regierungen bis zum heutigen Tag immer noch für “Demokratie” im Nahen Osten kämpfen.
19) While statesmen with vested interests in Chilean copper or Iraqi oil wage wars, they never fight those wars. The actual fighting is by decent people like my father, who ordinarily would not shed a drop of blood for Honduran bananas or Cuban sugar, but inflamed by rhetoric, will wade through blood for democracy and freedom. Decent people fight indecent wars because they are ignorant of the true causes and consequences of war, and because from youth they are taught that the enemy is evil, making reconciliation impossible or immoral. But the true enemy of peace is not an axis of evil but of ignorance. And fortunately, this “axis of ignorance” may not long survive the increasingly well-informed world public opinion, which Patrick Tyler calls the “2nd Superpower”.19) Während Staatsmänner mit persönlichem Interesse an chilenischem Kupfer oder irakischem Öl Kriege führen, sind sie niemals diejenigen die diese Kriege kämpfen müssen. Der eigentliche Kampf wird von anständigen Männern wie z.B. meinem Vater ausgetragen, die normalerweise nicht einen Tropfen Blut für honduranische Bananen oder kubanischen Zucker vergießen würden, aber, entflammt durch Rhetorik, für Demokratie und Frieden sogar bereit sind durch Blut zu waten. Anständige Leute kämpfen in unanständigen Kriegen aufgrund ihrer Unkenntnis der wahren Ursachen und Konsequenzen eines Krieges. Weil sie seit ihrer Jugend beigebracht bekommen, dass der Feind böse ist, scheint eine Aussöhnung unmöglich oder unmoralisch. Doch der wahre Feind des Friedens ist nicht eine Achse des Bösen, sondern die der Unwissenheit. Und glücklicherweise wird diese “Achse der Unwissenheit” wahrscheinlich die zunehmend besser informierte Weltöffentlichkeit, die Patrick Tyler als die “zweite Supermacht” bezeichnet, nicht lange überdauern.
20) The opium era’s media was easy enough to manipulate, but widespread opposition to the Vietnam War a century later suggested times were changing. And today, in the new millennium, it is harder than ever to sell a war when almost anyone, anywhere in the world, can click a mouse button and discover that the conflict is not over justice or democracy but over bauxite in Jamaica, or that weapons sales, often to both sides of a conflict, are not to promote peace but to save hundreds of defense jobs in the President’s home state, or to destabilize a region enough to justify a military presence—as in Asia.20) Die Medien waren zwar während der Opium-Ära noch leicht zu beeinflussen, aber der weit verbreitete Widerstand gegen den Vietnamkrieg ein Jahrhundert später machte deutlich, dass sich die Zeiten ändern. Und heutzutage im neuen Jahrtausend ist es schwieriger denn je einen Krieg zu verkaufen, weil beinahe jedermann, überall auf der Welt, mit einem Mausklick in Erfahrung bringen kann, dass der Konflikt sich nicht um Gerechtigkeit und Demokratie dreht, sondern nur um Bauxit in Jamaika. Oder dass Waffenverkäufe, oftmals an beide beteiligten Kriegsparteien, nicht dazu da sind den Frieden zu fördern, sondern um Hunderte von Jobs in der Rüstungsindustrie im Heimatstaat des Präsidenten zu sichern. Oder um eine Region weitreichend genug zu destabilisieren um die militärische Präsenz zu rechtfertigen – wie zum Beispiel in Asien.
21) While Bush Jr. hasn’t lumped China into the “evil axis” category, America needs an enormous enemy to justify its national offense, and China fits the bill. It was no coincidence that shortly after China sent a man into space, Bush announced a new program to both conquer space and to “deny access to space” to America’s enemies. But history suggests that Chinese are generally a peaceable people. 21) Obwohl Bush Jr. China noch nicht zu der “Achse des Bösen” zählt, braucht Amerika nun mal ein gewaltiges Feindbild um seine nationale Angriffspolitik zu rechtfertigen – und China passt genau in dieses Bild. Es war kein Zufall, dass Bush, kurz nachdem China einen Mann ins All geschickt hatte, ein neues Programm ankündigte um sowohl den Weltraum zu erobern als auch Amerikas Feinden den Zugang ins All zu verwehren. Aber die Geschichte zeigt, dass die Chinesen im Allgemeinen ein friedliebendes Volk sind.
22) Over 1900 years ago, the Roman scholar Pliny wrote that the Chinese were “inoffensive in their manners indeed.” During Marco Polo’s day, had Chinese been more inclined to conquest than commerce, they could have easily conquered the world with their vast navy and advanced weapons, and everyone on the planet today would be eating with chopsticks. 22) Vor über 1900 Jahren schrieb der römische Gelehrte Plinius, dass die Chinesen “in ihrem Verhalten in der Tat harmlos” seien. Hätten sich die Chinesen zur Zeit Marco Polos dem Erobern eher als dem Handel zugewandt, so wäre es ihnen ein leichtes gewesen, die Welt mit ihrer riesigen Flotte und ihren fortschrittlichen Waffen zu erobern – und jeder auf diesem Planeten würde heute mit Stäbchen essen.
23) Westerners extolled Chinese’ peaceable nature right up until the Opium Era. Britain’s Lord Derby bitterly protested that the second Opium War was “the shedding of the blood of unwarlike and innocent people without warrant of law and without the warrant of moral justification.” One of the best portraits of this peaceful people was painted by in 1907 by Macgowan, a missionary in my home of Xiamen:23) Die Menschen in der westlichen Welt lobten das friedfertige Wesen der Chinesen bis zur Opium-Ära. Der Brite Lord Derby kritisierte verbittert, dass der zweite Opiumkrieg „ein Blutvergießen unter friedlichen und unschuldigen Menschen sei, ohne gesetzliche Erlaubnis und ohne moralische Rechtfertigung.“ Eins der treffendsten Portraits dieser friedlichen Menschen wurde 1907 von Macgowan gezeichnet, einem Missionar in meiner Heimatstadt Xiamen:
“Some writers have predicted that a day may come when, inspired by a spirit of war, they [Chinese] will flash their swords in a wild conquest of the Est. This is a dream that will never be realized. Both by instinct and by ages of training, the Chinese are essentially a peace-loving people. The glory of war is something that does not appeal to them. Trade, and commerce, and money-making, and peaceful lives are the ideals of the race. No sooner is a clan fight begun, or a race with another nation, than the air at once resounds with the cry, “Mediate,” “Mediate.” Mediation is in the very blood of the nation, and the man who is a successful mediator is one that wins a golden reputation for himself.”„Einige Schriftsteller haben vorausgesagt, dass ein Tag kommen könnte, and dem sie [die Chinesen], von kriegerischen Gedanken inspiriert, in einer stürmischen Eroberung des Ostens ihre Schwerter ziehen werden. Dieser Traum wird sich niemals erfüllen. Sowohl durch ihren Instinkt als auch durch jahrhundertelanges Training sind die Chinesen in ihrem tiefsten Innern ein friedliebendes Volk. Kriegsruhm ist für sie nicht verlockend. Handel, Geschäfte, Geld verdienen und ein Leben in Frieden sind die Ideale ihrer Rasse. Sobald ein Sippschaftskrieg oder ein Wettlauf mit einer anderen Nation begonnen wird, klingt sofort ein Schrei durch die Luft: „Vermitteln, vermitteln!“ Die Nation hat das Vermitteln im Blut und derjenige, der erfolgreich vermittelt, macht sich einen guten Namen.“
24) Chinese today, like their ancestors, are a peace-loving people, and given their nation’s relatively peaceable track record, modern China has the potential to become the first modern power to eschew war and champion peace—to become a moral superpower. And we certainly need a moral superpower. Neither united Europe nor the United Nations has much influence over Globocop (our self-appointed global police), but China, in concert with other peace-loving peoples, could be a powerful force to be reckoned with—provided China can allay the fears that some nations have helped create as a rationalized for an arms buildup that threatens to extend not only across the globe but into space as well. 24) Die Chinesen von heute sind, genau wie ihre Vorfahren, ein friedliebendes Volk und angesichts der relativ friedlichen Vergangenheit der Nation, hat das China von heute das Potenzial, die erste moderne Macht zu werden, die dem Krieg entsagt und sich für Frieden einsetzt – und auf diesem Weg eine moralische Supermacht wird. Und wir brauchen definitiv eine moralische Supermacht. Weder das vereinte Europa noch die Vereinten Nationen haben großen Einfluss auf den so genannten Globocop (unsere selbsternannte Weltpolizei), aber China, im Einklang mit anderen friedliebenden Völkern, könnte eine bedeutende Kraft sein, auf die man zählen kann. Sofern China die Befürchtungen beschwichtigen kann, die manche Staaten als vordergründigen Vernunftgrund für eine Aufrüstung mit in die Welt gesetzt haben, die sich nicht nur über die ganze Erde, sondern auch im Weltraum auszubreiten droht.
25) My emphasis upon peaceful reconciliation with China has moved even some of my closest American friends to question my patriotism. But I feel that, on the contrary, I am showing more genuine love for my own country in seeking peace than I ever did by supporting war—especially in the wake of September 11th. The Twin Towers’ destruction was a graphic lesson that our planet is now far too small for wars in other people’s backyards. Never again will a generation be raised on a diet of daily but distant death. America’s security lies not in the impossible task of destroying all enemies everywhere, but in the difficult yet moral duty of ending the ignorance and injustice that has given birth to enemies everywhere.25) Mein Beharren auf einer friedlichen Aussöhnung mit China hat selbst manche meiner engsten amerikanischen Freunde dazu gebracht, meinen Patriotismus in Frage zu stellen. Aber ich habe das Gefühl, dass ich – ganz im Gegenteil – auf der Suche nach Frieden mehr echte Liebe für mein eigenes Land zeige, als ich dies jemals durch das Unterstützen von Krieg getan habe – vor allem angesichts der Ereignisse des 11. Septembers. Die Zerstörung des World Trade Centers hat gezeigt, dass unser Planet jetzt bei weitem zu klein ist für Kriege in den Hinterhöfen anderer Leute. Niemals wieder wird eine Generation mit dem alltäglichen, jedoch weit entfernten Tod aufwachsen. Die Sicherheit Amerikas besteht nicht in der unlösbaren Aufgabe, alle Feinde überall zu eliminieren, sondern in der schwierigen, aber doch moralischen Pflicht, der Unwissenheit und Ungerechtigkeit ein Ende zu setzen, die in der Tat überall Feinde entstehen lässt.
26) As Daniel Ellsberg wrote in one of Peace is Possible’s 30 articles, “Our World Needs Loyalty.” Though what can mere individuals do? Mother Theresa said, “We sometimes feel that what we do is just a drop in the ocean, but the ocean would be less because of that missing drop.” The book “Peace is Possible” is testimony to the far-reaching influence of thirty small but powerful drops in a vast ocean. Ellsberg helped end the Vietnam War. Retired General Lee Butler urged America to dismantle the nuclear weapons he had once been in charge of. Sue and Marvin Clark, a retired American couple, helped Haiti abolish its brutal army. Mandela’s response to brutality earned his enemy’s respect and helped bring reform to South Africa. Jody Williams’ helped ban land mines, a feat many thought impossible. And I, an ex-soldier, am a friend to those I once feared and hated. 26) Wie Daniel Ellsberg in einem der 30 Artikel für Peace is Possible schrieb, „braucht unsere Welt Loyalität.“ Aber was kann jeder Einzelne tun? Mutter Theresa sagte: „Manchmal haben wir das Gefühl, dass das, was wir tun, nur ein Tropfen ist, der in den Ozean fällt, aber würde dieser eine Tropfen fehlen, wäre das Meer kleiner.“ Das Buch „Peace is Possible“ ist der Beweis für den weitreichenden Einfluss von 30 kleinen, aber mächtigen Tropfen in einem riesigen Ozean. Ellsberg half dabei, den Vietnamkrieg zu beenden. Der pensionierte General Lee Butler drängte Amerika dazu, die Atomwaffen zu demontieren, für die er früher selbst zuständig war. Sue und Marvin Clark, ein pensioniertes amerikanisches Ehepaar, halfen Haiti, seine brutale Armee abzuschaffen. Mandelas Antwort auf Brutalität erntete den Respekt seines Feindes und half ihm, Südafrika zu reformieren. Jody Williams trug dazu bei, Landminen zu verbieten; eine Leistung, die viele für unmöglich hielten. Und ich, ein Ex-Soldat, bin ein Freund derer, die ich einst fürchtete und hasste.
27) The experiences recounted in “Peace is Possible” are but drops in the ocean, but each would have been greatly missed had not some individual or group taken a stand for peace. And if China joins in this great cause, then these drops may become a tidal wave in which global peace for the first time will not only be possible but inevitable.27) Die Erfahrungen, die in „Peace is Possible“ erzählt werden, sind nichts als ein Wassertropfen im Ozean. Aber jeder Tropfen würde sehr fehlen, wenn der Einzelne oder Gruppen sich nicht für den Frieden eingesetzt hätten. Und falls China sich dieser großen Sache anschließt, dann werden diese Tropfen vielleicht zu einer Flutwelle, in der der weltweite Frieden zum ersten Mal nicht nur möglich, sondern unvermeidbar sein wird.
28) Bill Brown, Xiamen University MBA CenterBill Brown, MBA Center der Universität Xiamen

Online teilnehmen